{"id":146,"date":"2026-10-22T16:01:37","date_gmt":"2026-10-22T14:01:37","guid":{"rendered":"https:\/\/teltow.piratenbrandenburg.de\/?p=146"},"modified":"2026-10-23T18:09:51","modified_gmt":"2026-10-23T16:09:51","slug":"pflegeneuunordnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teltow.piratenbrandenburg.de\/?p=146","title":{"rendered":"Pflegeneu(un)ordnung"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Bundeskabinett hat am 30. September 2026 den Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG) beschlossen, das weitreichende \u00c4nderungen der Pflegeleistungen ab dem 1. Januar 2027 vorsieht. Das Gesetz ist noch nicht final im Bundestag und Bundesrat verabschiedet.<\/p>\n<p><strong>Scheinbar einfach\u2026<\/strong><\/p>\n<p>Der Grundsatz \u201eambulant vor station\u00e4r\u201c klingt oft so, als lie\u00dfe sich die Versorgung zuhause einfach organisieren. In der Praxis tragen Angeh\u00f6rige h\u00e4ufig den gr\u00f6\u00dften Teil \u2013 und das ist weder selbstverst\u00e4ndlich noch grenzenlos zumutbar. Angeh\u00f6rige haben ein Recht auf Erholung und darauf, nicht allein gelassen zu werden.<\/p>\n<p>Vier Stunden im Monat reichen bei regelm\u00e4\u00dfigem oder hohem Pflegebedarf nicht f\u00fcr eine verl\u00e4ssliche Versorgung. Solche Stunden k\u00f6nnen einzelne Aufgaben erg\u00e4nzen, ersetzen aber keine t\u00e4gliche Hilfe und keine Entlastung rund um die Uhr. Wenn Pflegedienste keine Kapazit\u00e4ten haben, hilft ein bewilligter Anspruch auf dem Papier wenig. Das ist ein reales Versorgungsproblem, kein pers\u00f6nliches Versagen der Familie.<\/p>\n<p>Als Ersatz f\u00fcr bisherige Leistungen soll ein zweckgebundenes \u00dcberbr\u00fcckungsbudget f\u00fcr akute Ausf\u00e4lle und Krisensituationen in der h\u00e4uslichen Pflege eingef\u00fchrt werden. Vorgesehen sind bis zu 1.855 Euro pro Jahr bei Pflegegrad 2 und 3 sowie bis zu 2.285 Euro pro Jahr bei Pflegegrad 4 und 5. Zugleich sollen weitere Anteile der bisherigen Entlastungsleistungen in andere Leistungst\u00f6pfe \u00fcberf\u00fchrt werden: in das Pflegesachleistungsbudget, das Pflegegeld sowie ein neues Sozialraumbudget.<\/p>\n<p><strong>Privatpflege f\u00e4llt runter<\/strong><\/p>\n<p>Kritiker und Verb\u00e4nde bem\u00e4ngeln, dass das \u00dcberbr\u00fcckungsbudget vor allem f\u00fcr professionelle Notdienste oder station\u00e4re Kurzzeitpflege vorgesehen sein k\u00f6nnte. Die flexible Bezahlung privat organisierter Ersatzpflege \u2013 etwa durch Nachbarn, Freunde oder Familienmitglieder \u2013 droht dadurch stark eingeschr\u00e4nkt zu werden oder ganz wegzufallen. Gerade solche vertrauten und kurzfristig verf\u00fcgbaren Hilfen sind f\u00fcr viele Familien wichtig, wenn professionelle Angebote vor Ort fehlen. Auch die Umverteilung bisheriger Entlastungsleistungen wirft die Frage auf, ob Betroffene k\u00fcnftig tats\u00e4chlich mehr passende Unterst\u00fctzung erhalten \u2013 oder ob flexibel nutzbare Hilfen verloren gehen.<\/p>\n<p>Hinzu kommt die Sorge, dass der Zugang zu einem Pflegegrad schwieriger werden k\u00f6nnte. Vorgesehen sind offenbar h\u00f6here Schwellenwerte f\u00fcr die Pflegegrade und eine ver\u00e4nderte Punktebewertung. Dadurch k\u00f6nnten Menschen trotz erheblichen Unterst\u00fctzungsbedarfs schwerer einen Pflegegrad erreichen oder in einen niedrigeren Pflegegrad eingestuft werden. Die konkreten Folgen h\u00e4ngen von der endg\u00fcltigen Ausgestaltung der Regeln ab.<\/p>\n<p><strong>Unflexibel<\/strong><\/p>\n<p>Besonders deutlich k\u00f6nnten die Einschnitte f\u00fcr Menschen mit Pflegegrad 1 ausfallen: Der Entlastungsbetrag, der nach den derzeitigen Angaben vollst\u00e4ndig gestrichen werden soll, betr\u00e4gt aktuell bis zu 131 Euro monatlich. Er ist zweckgebunden und kann beispielsweise f\u00fcr anerkannte Haushaltshilfen oder Betreuungsangebote eingesetzt werden; es handelt sich nicht um frei verf\u00fcgbares Pflegegeld. F\u00e4llt diese Leistung weg, verlieren Betroffene eine wichtige M\u00f6glichkeit, Unterst\u00fctzung im Alltag zu finanzieren.<\/p>\n<p>Je nach Pflegegrad und Situation kommen au\u00dferdem Tages- oder Nachtpflege sowie anerkannte Angebote zur Unterst\u00fctzung im Alltag infrage. Doch auch diese Anspr\u00fcche helfen nur, wenn tats\u00e4chlich Personal und Angebote verf\u00fcgbar sind. Die Pflegekasse muss eine Beratung anbieten; zus\u00e4tzlich k\u00f6nnen Pflegest\u00fctzpunkte helfen, Leistungen und \u00f6rtliche Angebote zu kl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Wichtig ist, der Pflegekasse schriftlich mitzuteilen, welche Versorgung fehlt und was Angeh\u00f6rige nicht mehr leisten k\u00f6nnen. Wenn die Pflege zuhause dadurch nicht sicher gew\u00e4hrleistet ist, sollte man das offen ansprechen und auch eine vor\u00fcbergehende oder dauerhafte station\u00e4re Versorgung pr\u00fcfen. Das ist keine Schuldzuweisung und kein Scheitern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Autor<\/p>\n<p>Jeannette Paech (Stadtverordnete in Teltow)<\/p>\n<p>Mit Unterst\u00fctzung von ChatGPT<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Das Bundeskabinett hat am 30. September 2026 den Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG) beschlossen, das weitreichende \u00c4nderungen der Pflegeleistungen ab dem 1. 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